Restaurierung alter Grossrechner in England

Samstag, 12. Januar 2013


Das National Museum of Computing (TNMOC) in England ist eine der wenigen Institutionen weltweit, die sich serieös um den Erhalt alter und ältester Hardware kümmert. So hat ein TNMOC-Team erst im vergangenen November nach einer dreijährigen Restauration den Harwell Dekatron - auch "WITCH" genannt - wieder zum Leben erweckt. Jetzt wurde bekannt, dass dank Mitfinanzierung von Google und anderen privaten Spendern mit dem Electronic Delay Storage Automatic Calculator (EDSAC) ein weiteres Urgestein der britischen Computergeschichte wieder zum Leben erweckt werden soll. Der erste Reboot ist für 2015 geplant.

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English: The WITCH (Harwell Dekatron) computer under restoration at the British National Museum of Computing, Bletchley Park, 2010-03-13. (Photo credit: Wikipedia)
Der Harwell Dekatron wurde ab 1951 im Atomic Energy Research Establishment im britischen Oxfordshire eingesetzt, um Wissenschaftlern bei ihren Berechnungen zu helfen. Der Fokus lag dabei eindeutig nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf Verlässlichkeit. So konnte der einstige Superrechner beispielsweise tagelang ohne Unterbrechung durcharbeiten und fehlerfreie Ergebnisse erzielen. Schon im Jahr 1957 wurde der WITCH allerdings als überflüssig eingestuft und ausgemustert. Nach einem kurzen Intermezzo als Ausbildungsinstrument für Computeringenieure wurde er schliesslich 1973 endgültig demontiert und eingelagert. Er wiegt mit seinen insgesamt 828 Armaturen und 470 Relais knapp 2.5 Tonnen und war 1951 einer von rund einem Dutzend vergleichbarer Rechner weltweit. Angeblich ist WITCH der älteste digitale Computer der Welt, der noch mit Originalteilen funktioniert.

EDSAC I in construction. EDSAC was one of the ...
EDSAC I in construction. EDSAC was one of the first computers to implement the stored program (von Neumann) architecture. (Photo credit: Wikipedia)
Der EDSAC hingegen wurde 1949 ursprünglich von Maurice V. Wilkes und Kollegen an der University of Cambridge entwickelt und markiert laut Hermann Hauser, der mit einer ersten Geldspende in der Höhe von 250'000 Pfund das ambitionierte Restaurierungsprojekt initiiert hat, "den Beginn des Computerzeitalters", er sei "der erste Rechner, den man tatsächlich zu etwas gebrauchen konnte" gewesen. Da keine originalen Pläne mehr bestehen, müssen zunächst einmal alle Komponenten des Rechners - mehr als 3'000 einzelne Elemente, die auf ein Rahmengehäuse montiert waren, das sich wiederum aus über 100 Stahlbords zusammensetzte - anhand von alten Fotos identifiziert werden. Diese Arbeit ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

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